- Endless Dark -

  Rock am Ring 2008  

Drei oder vier geile Tage voller Party, Metal, Bier und noch mal Metal sollten es eigentlich werden. "Saufen am Ring, weil rum" lautete das Partymotto - nämlich saufen, weil die Prüfungen und damit meine Ausbildung endlich vorbei ist. Aber bereits im Vorfeld zeichnete sich Unwetter ab. Aber dazu später. Nachdem meine beiden Brüder es nicht geschafft haben, sich ein Ticket zu organisieren, waren Dorina und ich dieses Mal allein gen Nürburgring unterwegs. Hatte immerhin den Vorteil das der Wagen komfortabel leer war.

Direkt nach Feierabend am Donnerstag fuhren wir vollgepackt los, standen zwar nicht auf der Autobahn, aber dafür auf der B418 (vor'm Nürburgring) im Stau. Die Organisation sollte sich als etwas caotisch erweisen, zumindest ich und Dorina waren irritiert, als wir durch den Ort Meuspath gelotst wurden - mit der Anmerkung, dort gäbe es die letzten freien Plätze. Am Donnerstag-Abend, alles klar. Lieber Markek Lieberberg, seit'm März ist der Ring ausverkauft, da hätte man besser planen können.
Anyway, nachdem wir dann endlich an der Reihe waren, wurde in Windeseile Zelt und Grill aufgebaut, die Klappstühle ausgegraben und losgelegt. Jetzt aber mal zum hartmetallischen Eingemachtem...

TAG 1

Bullet for my Valentine Sag einer auf'm Ring gäbe es keine gescheiten Newcomer zu entdeckten. 2006 waren die Waliser für mich die Überraschung des Festivals. Das vorzügliche "The Poison" und der nicht minder geile Nachfolger "Scream Aim Fire" sind einfach zwei Granaten, die live perfekt zünden. Als die neuen Metallica habe ich sie in meinem Ring-2006-Review genannt, und das kann ich nur bestätigen. Die Jungs rocken was das Zeug hält, entfesseln eine unglaubliche Energie und wirken auch sonst wie von der Tarantel gestochen - auf hohem Niveau, versteht sich. Von daher: Sollen einige Echt-Metaller über die "Kiddie-Stars" die Nase rümpfen, "Bullet for my Valentine" sind meiner Meinung nach eine der wenigen Bands, die ich mir als potentielle Nachfolger von Achtziger und Neunziger Legenden vorstellen kann.

Motörhead Von jungen Hüpfern, zu einem Urgestein. "We are Motörhead... and we play Rock 'n' Roll". Ganz ehrlich: In zwanzig Jahren wird Lemmy das immer noch sagen. Und der Auftritt wird auch in zwanzig Jahren noch so geil sein, wie der heutige. Lemmy, Phil Campell (G) und Mikkey Dee (D) sind eine perfekt, aufeinander eingeölte Rock 'n' Roll Maschine, die trotz fortgeschrittenem Alter immer noc gehörig Dampf macht. Lemmy ist optisch und stimmlich immer noch so schön scheiße wie auf "Ace of Spades" und profitiert von einer gut gemischten Setlist, die alte Klassiker und neueres Material gleichermaßen beinhaltet. Well done, Mr. Kilmister. Wir sehen uns wieder, und wieder, und wieder.

Beschissenerweise ist der Wettergott scheinbar kein Motörhead-Jünger und so begann es ab "Ace of Spades" zu regnen. Blöderweise mussten wir nun gut 2 Kilometer in der Siffe zum Zeltplatz laufen. Aber egal, der erste Tag viel mit zwei Bands zwar mager aus, dafür hatten es zumindest beide Konzerte in sich.

TAG 2

Disturbed Scheiße, sieht das Backdrop (gleichzeitig Album-Cover) geil aus. Und Disturbed werden ihrem geilen Artwork auch musikalisch gerecht. Sänger David, dessen Stakkato-Gesang auch live ein Burner ist, fesselt die Menge sofort und lädt zum Bangen und Mitgröhlen ein. Die Band spielt dazu arschtight. Neben einigen neuen Nummern aus dem gerade gepressten "Indestructable" Album (Anschaffungspflicht!) gab's ein gut gemischtes Best-of-Set mit Nummern wie "Believe", "Prayer", "Ten Thousand Fists", "Stricken" und natürlich "Down with the sickness". Heavy Shit!

Da ich die nachfolgenden In Flames nicht wirklich mag, verkneif' ich mir hier eine Kritik. Nur soviel: Die Leute, welche ein Shirt der entsprechenden Truppe hatten, wirkten nach dem Gig glücklich.
Nightwish Ganz und gar nicht glücklich waren die Nightwish Fans. Zwischen dem Konzert, dass ich im Februar in Stutgart besuchte und diesem Ring-Auftritt lagen Welten. Zum einen zeigt sich bereits beim Opener "Bye Bye Beautiful", dass Basser und mittlerweile Co-Fronter Marco Hietala stimmlich nicht gerade seinen Top Tag hat. Im Gegenteil: Der "Gesang" tut weh. Zum Zweiten spürte man nun was passieren kann, wenn eine Band Teilweise-Playback hat: Als nämlich der ganze Orchester-Pomp ausfiel, dauerte es erst mal ein paar Minuten, bis der Gig weiterging. Blöderweise hat es keiner bei der Band für nötig gehalten, mit dem Publikum zu reden. Marco, nebst seinem best friend "Mr. Absolute (Wodka)" nuschelte zwar irgendeinen Stuss ins Mikro, aber verstanden hat das wohl keiner. Technisch einwandfrei, aber nicht gerade berauschend gings weiter. Warum Nightwish sich für einen knappen Liveauftritt (ca. 1 Stunde) eher fragwürdige Stücke wie "The poet and the pendulum", "The Islander" und das Instrumentel "The Last of the wilds" (in dieser Reihenfolge) entschieden haben, und außer "Nemo" und "Wish I had an angel" keinen älteren Song spielten, ist nur schwer nachvollziehbar. Von daher: Setzen Sechs! Umso trauriger wenn man weiß dass sie es besser können. Zumal dies für viele Besucher wohl das erste Nightwish Konzert in der neuen Besetzung ist.

The OffspringGive it to me, baby. Aha! Aha! - The Offspring haben es an den Ring geschafft. Und sie waren wirklich erste Sahne. Okay, man kann den Jungs vielleicht ein bisschen Bewegungsarmut attestieren, gerockt haben sie trotzdem. Über mangelnde Publikumsresonanzen konnten sie sich freilich nicht beklagen. Zu Songs wie "Pretty fly for a white guy", "Self esteem" oder "Want you bad" wird gepogt, getanzt, gebangt und mitgegröhlt was das Zeug hält. Von daher: Two Thumbs up, trotz Bierduschen und blauen Flecken.

Metallica Und dann isses mal wieder soweit: 15 Minuten vor einem Metallica Konzert. Ein bisschen zum Wellenbrecher vorgekämpft stehen ich und mein Onkel wie Sardinen im Mob - wohlwissend, dass ab dem ersten Ton der Band eine Bewegungswelle kommen wird. Gebannt wird immer wieder auf die Uhr geschaut und auf den Supergau des Festivals gehofft. Und eines vorweg: Es sollte der Supergau des Festivals werden. Kurz nach Zehn ging das Flutlicht aus und Ennio Morricone's "The Ecstasy of Gold" läutet dramatisch den Eingang der immer noch besten Live Band dieses Planeten ein. Und es geht wuchtig los mit einem "Ride the Lightning" Dreischläger: "Creeping death", "For whom the bell tolls" und - fuck yeah! - "Ride the Lightning". Metallica rocken was das Zeug hält - die Band ist ein fest zusammengeschweisste Metal Maschine, die selbst bei anspruchsvollen Stücken keinen Misston produziert. Hetfield singt so gut wie seit dem Schwarzen Album nicht mehr und zeigt sich in Ansagen als souveräner und unterhaltsamer Frontmann. Metallica denken zudem an das weiter hinten stehende Publikum. Neben den üblichen Ring Leinwänden werden die Kameraaufnahmen nämlich überdimensional in den Bühnenhintergrund projeziert. Weiterhin positiv: Metallica spielen nicht ewig das gleiche Set sondern haben neben den unverzichtbaren Nummern ("Master of puppets", "Nothing else matters", "Sad but true", "Enter Sandman" usw.) auch mal weniger oft gespielte Klassiker ausgegraben, z.B. "Harvester of sorrow" oder "...and justice for all". Überhaupt gab es ein konsequente Old-School-Setlist: Neben dem Misfits Cover "Die, die my darling" gab es keinen Song, der nach dem schwarzen Album kam. Nach dem saugeilen "Motorbreath" gab es wie gewohnt die Abrissbirne "Seek and destroy" zum Abschluss. Fazit: Geil, geil, geil. Immer wieder! METALLICA sind und bleiben einfach die Live Granate. Hoffen wir, dass es im September endlich mal wieder einen Grund gibt, durch das Wohnzimmer zu pogen.

TAG 3

Der letzte Tag. Ein Alptraum. Ich und mein Engel überlegen welche der drei zeitgleich spielenden Truppen (Hosen, HIM, Oomph!) wir uns nun anschauen wollen, als die Katastrophe jedes Campers eintritt: Der Wagen, mit dem wir kurz zur Tanke wollten, ging nicht. Kein Ton, kein Stottern - keine Reaktion seitens meines Astras. Trotz versuchter Starthilfe und gut gemeinter Hilfe - Odin segne euch - blieb mein Wagen tot. Die Laune von meinem Schatz war im Keller. "Ich hab' dir gesagt, lass nach der Karre gucken" - Recht hat sie. Trotzdem habe ich sie ignoriert. Und nun muss ich die Strafe zahlen. Zum ersten Mal im Leben nutzt mir meine Mitgliedschaft im ACE was, aber ehrlich, Leute: Es gibt wesentlich Schöneres als sich von einem Festival-Gelände abschleppen zu lassen. Die Reperatur gabs erst am nächsten Tag, trotzdem muss ich ein Riesenlob an die Werkstatt Bongard aussprechen: Absolut freundlich, ließen uns im Hinterhof campen und kümmerten sich rührend um unseren Wagen. Sag' noch mal einer Servicewüste Deutschland.
Fazit: Der letzte Tag war für uns aus o.g. Gründen scheisse. Dennoch war "Rock am Ring" schon wesentlich besser. Die Securites waren total überfordert, warum der Wellenbrecher so derbst scheisse platziert war wird ein Geheimnis der Organisation bleiben und die Campingplätze sind ein Witz. Da muss es künftig wieder besser laufen. Egal, bei entsprechendem Line-up sind wir wieder - hoffentlich zu viert - wieder am Ring.



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