 |
 |
 |
 |
|
|
Doro

Doro, live auf dem Summer Breeze 2007
Trotz des Erfolges von female-fronted Bands wie "Nightwish", "Evanscence" und "Within Temptation" (sowie eine Flut musikalisch ähnlich gestrickter, aber qualitativ mieser Kapellen) kann man festhalten, dass die Weiblichkeit in der Metal Welt immer noch schwach vertreten ist. Umso bemerkenswerter ist die Karriere von Doro Pesch, die vor über einem Vierteljahrhundert begann und bis heute andauert. Vieles hat sich seit ihren Anfängen mit "Warlock" verändert, doch obwohl die Gute so manches Mal vom rechten Wege abzukommen schien, so blieb doch eines bis heute konstant: Ihre Liebe zur Musik und die tiefe Dankbarkeit ihren Fans gegenüber...
Kindheit und erste Bühnenerfahrung
Dorothea Pesch, die seit jeher unter ihrem Kosenamen Doro bekannt ist, wurde am 3. Juni 1964 in Düsseldorf geboren. Ihre Liebe zur Musik soll sie schon in Kindesjahren entdeckt haben, als sie die Ohren ihrer Mitbewohner durch das Gesangseinlagen im Treppenhaus der elterlichen Mietwohnung 'verwöhnte': "Wir lebten damals in einem Altbau, und immer, wenn meine Eltern unterwegs waren, ging ich ins Treppenhaus, um dort lautstark meine Stimme zur Schau zu stellen. Das schallte prima in den Aufgängen und so manch einer der Mitbewohner hätte damals wohl darauf gewettet, dass au mir irgendwann mal eine Opernsängerin wird," erinnerte sich Doro heute schmunzelnd. Dass sich Doro eher härteren Klängen statt der Klassik zuwandte, führt sie auf die jugendlichen Söhne des besten Freundes ihres Vaters zurück. Die Jungs infizierten sie mit den Rocklegenden jener Zeit, u.a. Alice Cooper, T-Rex, Sweet, Suzie Quatro und und und.
Obwohl sich Doro seit jeher für musikverrückt bezeichnet, gewanen insbesondere Sport und Zeichnen für sie von Bedeutung. Daher fiel ihr auch ihre Berufswahl zunächst ziemlich leicht: Sie begann eine Ausbildung zur Grafikerin und Schriftsetzerin. Später sollte ihr Talent auf diesem Gebiet unter Beweis setzen, als sie das Logo von Warlock entwarf. Doch ein erster Schicksalsschlag erfolgt, als Doro and Tuberkulose erkrankte. Zunächst wurde die Krankheit nicht erkannt, ehe die Ärzte schlussendlich herausfanden, was sich hinter dem schwächelnden Zustand von Doro verbarg. Sie wurde darauf in eine Klinik in einem Waldgebiet von Düsseldorf eingewiesen. Ihre Zeit dort beschreibt sie heute mit Schrecken: "Es hatte den Anschein, als seien dort nur Ärzte beschäftigt, die in keinem normalen Krankenhaus mehr praktizieren durften. Völlig obskur, der Laden. Da lagen jeweils zehn Frauen in einem Zimmer, und man bekam ziemlich schnell klargemacht, dass das Ganze mehr eine Art schlechter Frauenknast, denn ein Genesungs-Etablissement war. (...) Ich war fest davon überzeugt, dass ich dieses Gebäude, von dem es keinerlei Kontaktmöglichkeit zur Außenwelt gab, nicht mehr verlassen werde."
Glücklicherweise kam es nicht dazu und es gelang ihr trotz Aufenthalte in mehreren Kliniken schließlich ihre Krankheit zu überwinden. Sich selbst hatte sie geschworen, sollte sie die Krankheit überwinden, ihrer Liebe zur Musik mehr AUfmerksamkeit zu widmen. Und so begann die blonde Schönheit nach und nach in mehreren Bands ihr Glück: Snakebite, Beast oder Attack hießen die Kapellen in denen Doro sich ihre ersten Sporen verdiente. "Mein Vater war auch stets mit seinem LKW zur Stelle, wenn wir ihn brauchten, karrte uns von Gig zu Gig und half uns beim Schleppen des Equipments. Musikalisch war das zwar alles andere als seine Welt, und vor allem waren die Gitarren ihm viel zu laut, aber er hielt sich verdammt tapfer und hatte seinen Spaß daran zu sehen, wie die Zuschauermengen langsam, aber sicher größer wurden." Zu dieser Zeit, 1982, traf Doro dann auf den Geburtskern von "Warlock": Die beiden Gitarristen Peter Szigeti und Rudy Graf. Anfangs hangelte sich das Trio mit wechselndem Rhytmusgespann von Gig zu Gig, ehe man mit Frank Rittel (Bass) und Michael Eurich (Drums) ein festes und schließlich das Original-Line-up von "Warlock" hatte.
Let the witches burn - Der Aufstieg von Warlock
Nachdem nun endlich Ruhe ins Bandkarussel gekommen war, produzierte die Band schon bald ein erstes Demotape. Der Fanclub, der sich recht schnell formierte, schickte eben jenes Tape von Label zu Label - ohne das Wissen der Musiker - und so hatte die verduzte Band schon bald mehrere Angebote vorliegen. Den Zuschlag bekam das Underground-Label Mausoleum, Aussagen der Band zufolge, weil die Blutstropfen im Firmenschriftzug cool aussahen. Die Tinte auf dem Vertrag war noch nicht trocken, als sich die Band bereits im Aufnahmeraum befand um in 7 Tagen "Burning the witches" einzuspielen. Das End-Resultat war allerdings nicht nach den Vorstellungen der Band: "Das Album hörte sich schlicht und ergreifend grausam an. Mein Gesang war fast nicht wahrnehmbar und auch ansonsten rollten sich einem die Fußnägel nach oben". Womit die Band den Mix, finanziert aus eigener Tasche, von Henry Staroste, einem Bekannten von Warlock, überarbeiten ließ. Nun war die Band zufriedener und - was vielleicht noch viel wichtiger war - Staroste empfahl die Band dem Label Phonogram, bei dem er mit seiner Band selbst unter Vertrag war.
Die Tatsache, dass sich "Burning the witches" ohne große Promotion über 20.000 Mal verkauft hatte, ließ Phonogram zur Entscheidung kommen, "Warlock" unter Vertrag zu nehmen. Die Band zögerte zwar zu einem Major Label zu gehen, wusste aber auch schon, dass sich die Verwirklichung des Traumes - ihr Leben komplett der Musik zu widmen - anders wohl nicht möglich war. Die veränderten Bedingungen übten zwar einen gewissen Druck auf die Band aus, doch der Zweitling "Hellbound" war ein deutlicher Schritt nach vorne: Das Songwriting war ausgefeilter, Klang und Produktion waren um einiges besser als bei "Burning the witches". Bis heute hat Doro in ihrem Live-Programm Stücke dieses Albums, vornnehmlich den Titelsong und "Earthshaker Rock". Die Band wurde alsgleich auf eine erste, richtige Tournee geschickt, doch es sollte nicht lange dauern, bis erste Probleme das Glück trübten. Phonogramm und das Management befand, dass Gitarrist Rudy Graf nicht meh ins Line-up passte, womit der Mann schließlich die Band verlassen musste. Sein Nachfolger wurde Niko Arvanitis, ein Gitarrist den Doro noch aus einer früheren Kapelle kannte.
Auch die Aufnahmen vom dritten Werk "True as steel" brachten Probleme mit sich: Zwar stellte das Songwriting erneut einen Schritt nach vorne dar und enthielt mit "True as steel", "Fight for Rock", "Midnite in China" usw. starke Nummern, die Plattenfirma jedoch schliff beim Mix den Sound jedoch derart glatt und trimmte die Band in Richtung des amerikanischen Mainstream Metals jener Zeit. Trotz der Enttäuschung innerhalb Warlock's, erwies sich "True as steel" erfolgreich, womit die Plattenfirma wohl oder übel wieder recht gehabt hatte. Was der Band wesentlich besser schmeckte, waren die Autrittofferten: Ein Auftritt auf dem legendären "Monsters of Rock" in England, Europa-Tourneen mit Judas Priest und W.A.S.P. Doch die Probleme wurden dadurch nicht weniger: Der Druck der Plattenfirma wuchs, mit Peter Szigeti und Frank Rittel wurden weitere Mitglieder der Band zum Gehen gezwungen. Die Weichen, die "Warlock" langsam aber sicher auf "Doro" brachten, waren gestellt. Einer jener Weichen führte Doro als einzige Musikerin der "Band" nach Amerika, was der blonden Schönheit gerade recht war.
Höhepunkt und Ende von "Warlock"
Die Staaten bzw. New York sollten für Doro ein neues Zuhause werden. Mit Joey Balin, der ihr zunächst als Stadtführer zur Seite gestellt wurde, entwickelte sich ein Duo, dass geradezu vor Kreativität überschäumte und nahezu im Alleingang das vierte Langeisen - "Triumph and Agony" - zusammenschusterte. Zum Line-up gehörten neben Arvanitis und den Original-Mitgliedern Eurich und Pesch, nun die beiden Gitarristen Tommy Bolan und Tommy Henriksen Interessanterweise war es "Für immer", von dem zunächst ausschließlich Doro allein überzeugt war: "Mit viel Überredungskunst konnte ich den Song bei der Company durchdrücken, musste ihn allerdings ganz am Ende der Scheibe platzieren, weil niemand von seiner Klasse überzeugt war." Der Erfolg gab ihr schließlich recht. "Triumph and Agony" stelle schließlich auch den kommerziellen Höhepunkt von Doro's Karriere dar, verkaufte sich weltweit ca. 3 Millionen Mal und führte die Band mit Dio und Megadeth auf große Tour. Doch es sollte eine böse Überraschung folgen.
Der Manager der Band, Peter Zimmermann, fühlte sich durch die Amerikaforcierung der Band ausgegrenzt, und verließ das Management. Da Zimmermann das Namensrecht hatte, durfte die Band fortan nicht mehr unter "Warlock" fimieren. Es blieb nichts anderes übrig, als die Band nach der bekannten Sängerin zu benennen (auch wenn der Nachfolger "Force Majeure" zunächst unter "Doro + Warlock" auf den Markt kam, mittlerweile aber nur noch unter dem Namen "Doro" vertrieben wird und damit das eigentliche Debütalbum darstellt). "Force Majeure", welches erneut von Joey Balin und Doro Pesch komponiert wurde, erwies sich als ordentlicher Nachfolger und die Band war froh, dass die Umbennenung dem Erfolg keinen Abbruch tat. Die Scheibe schaffte es gar bis auf den fünften Platz der deutschen Charts (auch wenn die blonde Schönheit in dieser Zeit nur wenige Liveauftritte in Deutschland absolvierte).
Der Demon und die Soloalben
Gleichwohl die Metalqueen (ebenso wie Dio, Udo usw.) den Namen "Doro" symbolisch für eine Band sieht, so kann man nicht leugnen dass es ein an und für sich wirkliches Line-up nicht mehr gab: Die Sängerin hatte in der Folgezeit kaum ein Album mit der gleichen Mannschaft aufgenommen. Für das erste unter dem "Doro" Banner veröffentlichte Werk, hatte Manager Alex Grob eine Überraschung: Der "Demon" Gene Simmons, bekanntermaßen Bassist von "Kiss", zeigte nach ersten Interesse an einer Zusammenarbeit und fungierte als Co-Songwriter und Produzent der schlicht "Doro" betitelten Debüt-Scheibe. Auch wenn de musikalische Qualität und der Erfolg des Albums für sich spricht, so machte sich eine musikalische Veränderung breit: Der melodische Metal war gewichen, die Musik erinnerte mehr an amerikanischen Mainstream Rock. Eine Entwicklung mit der nicht jeder Altfan zufrieden war.
Mit den Nachfolgern "True at heart" und "Angels never dies" setzte sich diese Entwicklung im Sound fest, da Doro mittlerweile komplett mit Songwritern kollabierte, die nicht unbedingt einen metallisch/rockigen Background hatte. Dennoch gab der Erfolg ihr zunächst recht, die Deutschlandtour zu "Angels never dies" - bei welcher auch das formidable "Live" Album mitgeschnitten wurde - war ausverkauft und es mussten Zusatzdates an die Tour gehängt werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Doch die, von Nirvana ausgelöste, Grunge- und nachfolgende Post-Grunge-Ära sollte auch an der blonden Metalqueen ihre Spuren hinterlassen: "Metal verkam damals zu einem Schimpfwort, Freundschaften zerfielen und die Szene an sich brach immer mehr auseinander - das hat mich richtig aus der Bahn geworfen." Die Orientierungslosigkeit der Szene und auch Doro zeigte sich schließlich im 1995er Werk "Machine II Machine". Mit den Ursprungsaufnahmen war die Metalqueen nicht mehr zufrieden und entdeckte nach einigem Zögern, die Verbindung zu elektronischen Klängen.
Es gibt nicht wenige Doro Fans, die in diesem Album einen Tiefpunkt in der Karriere der Sängerin sahen und sehen. "Das war auf jeden Fall eine Zeit, die schmerzliche Erfahrungen mit sich brachte, die von meiner Seite aus aber dennoch absolut authentisch war. 'Machine II Machine' war schlicht und ergreifend die ehrlichst Platte, die ich zu diesem Zeitpunkt veröffentlichen konnte." Doch nicht nur "Machine II Machine" war ein Rückschlag, das Label kam auf die Idee, Doro ein neues Image zu verpassen um sich dem Zeitgeist anzupassen und somit auch wieder mehr Publikum zu erschließen. Im Klartext hieß dies, das Doro fortan nicht mehr Leder und Metalkluft tragen sollte und ihre langen Haare zugunsten von kurzen, schwarzen Haare abschneiden sollte. "Die Company setzte alles daran mich völlig umzukrempeln, um mich dann als neuen Act verkaufen zu können". Der Widerstand der Sängerin führte schließlich dazu, dass ein US-Release von "Love me in black", an dem Doro über zwei Jahre gearbeitet hatte, nicht zustande kam.
Metallischer Untergrund und Comeback
Obwohl "Love me in black" die hiesige Fangemeinde wieder einigermaßen versöhnte, lief es auch in Deutschland nicht optimal. Zeigten sich die Radiomoderatoren zunächst begeistert, als ihnen der Song "Love me in black" vorgespielt wurde, so sahen sie von Airplay ab, als ihnen mitgeteilt wurde, wer hinter dem Song steckt. Auch die hiesige Tour lief nicht unbedingt so, wie gewünscht. Doro entschied sich zum ersten Mal seit langem für die Zusammenarbeit mit einem deutschen Label. SPV, welches schließlich die beiden Alben "Calling the wild" und "Fight" veröffentlichten, waren in Doros Augen die einzige Möglichkeit, Metal überhaupt noch zu vermarkten. Der Kontakt zu SPV kam über deren Mitarbeiterin Ulrike Rudolph bei einem gemeinsamen Abendessen mit "Judas Priest" zustande: "Bereits die Unterhaltung bei diesem Abendessen verdeutlichte mir damals, dass es fortan nur noch die Independent Labels sein würden, die unsere Art von Musik wirklich nach vorne pushen können. Bei diesen Companys sitzen noch Leute, die selbst etwas mit derartigen Klängen anfangen könnnen, und für die du nicht nur ein Objekt darstellst, das möglichst wenig kosten, dafür so viel wie nur irgend machbar abwerfen soll."
Die Rückkehr zu metallisch/rockigen Klängen, sowie das wieder steigende Interesse am Metal verhalf auch Doro zu neuem Erfolg: "Calling th wild", eingezimmert mit Gästen wie Lemmy, Slash und Eric Singer, erwies sich als das wohl beste Werk der Düsseldorferin seit langem, eine Aussage die auch auf den Nachfolger "Fight" zutrifft. Apropos "Fight": Die Freundschaft zu Regina Halmich sorgte dafür, dass Doro der Boxerin mehrere Hymnen auf den Leib schneiderte: Zunächst wurde der Gassenhauer "All we are" verwendet, ehe "Fight", "She's like thunder" und "The Queen" folgten. Neben dem gelungenen Experiment "Classic Diamonds", Neuaufnahmen von Doro/Warlock-Klassikern in akkustischem Gewand mit Orchesterbegleitung, sowie dem starken Album "Warrior Soul" konnte man Doro auch erstmals im Kino bewundern: "Anuk - Der Weg des Kriegers", eine schweizerische Produktion, die allerdings weder kommerziell noch qualitativ überzeugen konnte.
Die Karriere von Doro Pesch ist noch nicht zu Ende. In dem Düsseldorfer ISS Dome feierte sie im Dezember 2008 mit vielen Freunden, darunter Klaus Meine, Rudolf Schenker, Axel Rudi Pell, Sabina Classen, Tarja Turunen, Arch Enemy, Girlschool, After forever sowie ihren Warlock-Jungs ihr 25jähriges Jubiläum. Januar 2009 erschien dann schließlich ihr neues Album "Fear no evil", dass sicher noch eine Weile in den CD Playern der Fans rotieren wird. Es wird wohl auch in Zukunft spannend, der Metal Queen zu folgen...
Musikalischer Stil
Die Musik Doro's zur Zeit von "Warlock" ist traditioneller, melodischer Heavy Metal bzw. Heavy Rock und weist Ähnlichkeiten mit den Songs von Dio, Saxon, Iron Maiden, Judas Priest oder Accept jener Zeit auf. Die später unter dem Namen "Doro" veröffentlichten Scheiben gingen mehr in Richtung Mainstream Rock a'la Dokken, Bon Jovi oder Lita Ford. Die Alben "Love me in black" und insbesondere "Machine II Machine" enthielten Elektroarrangements und Industrial-Anleihen. Auf den neueren Scheiben "Calling the wild", "Fight" und "Warrior Soul" tendierte Doro wieder mehr in Richtung "Warlock".
Discographie
Warlock
Burning the witches (1983)
Hellbound (1984)
True as steel (1985)
Triumph or Agony (1986)
Doro
Force Majeure (1988)
Doro (1989)
Angels never die (1991)
True at heart (1992)
Live (1993)
Machine II Machine (1995)
Love me in black (1998)
Calling the wild (2000)
Fight (2002)
Classic Diamonds (2004)
Warrior Soul (2006)
The Queen (EP, 2007)
Celebrate - The Night of the Warlock (EP, 2008)
Fear no evil (2009)
Empfehlenswerte Alben
Warlock - Triumph or Agony
"Triumph or Agony" ist die vierte und letzte Platte, die unter dem Warlock-Banner eingespielt wurde und stellt das musikalische Highlight in Warlock's und Doro's Karriere dar. Eröffnet wird das Album vom Mitgröhler "All we are", der bis heute das Highlight eines jeden Doro Konzertes bildet. "Three minute warning", "East meets West" und "Touch of evil" sind Metal pur und es gibt wohl keinen (männlichen) Sänger, der den spitzen Schreigesang auf "Touch of Evil" höher und besser hinbekommen hätte als Doro. Diesen Metalperlen stehen kompositorische Highlights wie das raffiniert arrangierte "Metal Tango", den atmosphärischen Rocker "I rule the ruins" oder die Halbballade "Make time for love" gegenüber, die wesentlich ausgefeilter sind, als alles was Doro davor (und nur selten danach) fabrizierte. Abgerundet wird die Scheibe von der Gänsehaut-Ballade "Für immer". Dieser musikalische Freundschaftsschwur wird Doro wohl bis an ihr Lebensende zum besten geben müssen. Fazit: Geniale Songs, eine trockene, warme Produktion, eine Doro in Hochform und ganz nebenbei auch noch das beste Plattencover ihrer Karriere: Eine der stärksten Alben, die je im melodischen Metal Sektor herauskam.
Doro - Doro
Nein, eine Metal Platte ist das nicht. Das war sie auch schon Ende der Achtziger nicht. Stark ist das Quasi-Debüt, schlicht "Doro" genannt, dennoch. Zumindest wenn man melodischen Stadionrock mag, der in den USA in den Achtzigern geradezu inflationär auf den Markt geschüttet wurde. Kiss-Schlabberzunge Gene Simmons fungierte als Produzent und Co-Songwriter und machte Doro deutlich amerikanischer. Das drückende "Something wicked this way comes" (keine Verbindung zu Iced Earth) unterstreicht die rauere Seite Doros, während Stücke wie "Rock on" eher wie bessere Achtziger-Kiss-Songs klingen. Highlights dieser Scheibe sind aber die beiden großartigen Balladen "Rare diamonds" (nie klang Doro einfühlsamer) und "Unholy love", die selbst härteste Männer zum Schmelzen bringen. Wie gesagt, wer amerikanischen Mainstream Rock mag, dürfte an dieser Platte gefallen finden.
Doro - Warrior Soul
Manchmal gibt es noch Überraschungen. Hatte man sich als Doro-Fan schon gefreut, dass sich auf den Vorgängern "Fight" und "Calling the wild" wieder stärkere Songs befanden, die erfreulicherweise auch wieder härter aus den Boxen kamen, so ist "Warrior Soul" ein Album geworden, dass man wohl von Doro nicht mehr erwartet hatte. Bereits der Opener "You're my family", eine Liebeserklärung an ihre Fans, donnert unverschämt rockig aus den Boxen. Rocker wie "Haunted Heart" und "My Majesty" stehen dem in nichts nach. "Thunderspell" ist ein Headbanger, der auch gut auf die Warlock Alben gepasst hätten. Dazu noch die wunderschöne Ballade "Heaven I see", das im Midtempo angesiedelte "Strangers yesterday" bis hin zum atmosphäärischen Titelsong. Mit "Ungebrochen" huldigt Doro gar anderthalb Minuten dem Punk. Alles super? Fast, denn die Balladen dieses Album kann man nicht anders als Kitsch bezeichnen: "Above the Ashes", "Everythings lost" und "In Liebe und Freundschaft" können sich wohl nur Frischverliebte anhören. Dennoch: "Warrior Soul" ist das stärkste Album seit den Achtzigern. Welcome back, Doro.
Weiterhin kann die Anschaffung sämtlicher Warlock Alben empfohlen werden, da es eben diese Metal-dominierten Platten sind, für die Doro geliebt wird. Da es von Doro bis heute kein gescheites Best-of gibt, sei einem die Compilation "Warlock - Earthshaker Rock" empfohlen, welche die stärksten Songs der Warlock Alben sowie der ersten Soloplatten "Force Majeure" und "Doro" umfasst. Bedingt empfehlenswert sind "Force Majeure", "Calling the wild, "Fight" und "Love me in black" die neben wenigen starken Nummern, leider viel durchschnittliches Gewächs enthält.
Die Finger weg lassen sollte man von den glattpolierten PopRock Alben "True at heart" und "Angels never dies" sowie vom, unpassend mit Elektroarrangements angereicherte, Album "Machine II Machine".
Die 15-Song-Download-Liste
Diese Liste ist für all diejenigen geacht, die nicht so sehr an der Anschaffung von Alben interessiert sind und ihre Musik vornnehmlich auf dem Ipod hören - die meiner Meinung nach 15 stärksten Songs von Doro und Warlock:
Burning the witches
Earthshaker Rock
Hellbound
True as steel
All we are
I rule the ruins
Touch of Evil
Für immer
Hellraiser
Unholy love
Bad Blood
Love me in black
Fight
Thunderspell
The Night of the Warlock
Quellen: Zur Erstellung dieses Porträts wurde folgendes Material ausgewertet: Bonusmaterial der Doro-DVD "20 Years A Warrior Soul", Interviews mit den Zeitschriften "Heavy", "Rock Hard" und "Metal Hammer" sowie Texten auf der offiziellen Doro Webseite "www.doropesch.com". Die Zitate von Doro entstammen vornnehmlich des History Specials des Magazins "Heavy". Das Bild von Doro wurde von mir auf dem "Summer Breeze 2007" aufgenommen.
Zurück
|
|
|
 |
 |
 |
 |
|