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Dio

Ronnie James Dio, ca. Ende der Neunziger
Als Ronnie James Dio am 16. Mai 2010 nach kurzem Kampf seinem Magenkrebs erlag, stand die Metal Welt für einem Moment still. Der Sänger war ein Name der wohl in keinem Artikel oder Buch, dass sich mit der Geschichte des Metal beschäftigt, fehlen darf. Kein Wunder, hat doch der kleine Mann mit der großen Stimme, nicht nur legendäre Alben mit Black Sabbath und Rainbow veröffentlicht, sondern mit "Holy diver" und "The last in line" auch zwei Metal Klassiker unter eigenem Namen herausgebracht. Dio konnte auf über ein halbes Jahrhundert seiner musikalischen Karriere zurück, in welchem er die Musikart "Metal" maßgeblich mitprägte...
Der lange Weg zum Erfolg
Unter seinem Künstlernamen Ronnie James Dio wurde er bekannt, geboren wurde er 1942 unter dem Namen Ronald Padavona. Ronnie begann sich schon früh für Musik zu begeistern, wenn auch anders als man es heute von ihm gewohnt wäre: Auf Anraten seines Vaters lernte er Trompete spielen. Die dafür nötigen Atemtechniken sollten ihm in seiner späteren Sängerkarriere zu Gute kommen. Zunächst dachte Dio jedoch nicht an Gesang, sondern lernte erstmal die vier Saiten eines Basses zu bedienen. Als Bassist trat er dann den "Vegas Kings" bei, übernahm bei eben jenen schon bald den Job des Bandleaders und die Gruppe benannte sich schließlich in "Ronnie and the Ramblers" um. Unter einem neuerlichen Namenswechsel in "Ronnie and the Red Caps" nahm man dann 1958 eine EP namens "Lover" auf.
"Lover" kam in der Blütezeit des Rock n Roll heraus und erinnert im Nachhinein wenig an den bilderreichen Metal der späteren Jahre. Auch der charakteristische Gesang Ronnies war noch nicht vorhanden und "Lover" hätte durchaus auch von Chuck Berry oder Pat Boone sein können. Dio zu seinen frühen Aufnahmen: "Das war einfach ein früher Rock n Roll Song, getragen von zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Wir haben damals hauptsächlich bekannte Stücke nachgespielt. Es ging erst einmal darum, die Instrumente anständig zu beherrschen." Bis zur ersten LP sollte aber noch einige Zeit verstreichen: 1963 erschien "Dio at Dominos", eine Live LP, mitgeschnitten im Dominos Club.
Schließlich formierte sich die Gruppe, mit der Ronnie erstmals Bekanntheit erlangen sollte: "The Electric Elves", die schließlich "THe Elves" und letztendlich "Elf" hießen. Mit von der Partie war Ronnies' Cousin David "Rock" Feinstein, der später "The Rods" aus der Taufe hob. Dio zu Elf: "Wir waren eine Honky Tonk Rockband mit einem Sänger, der eher dark und heavy sein wollte. Daher schrieben wir auch einige Songs, die etwas düsterer waren." Produziert wurden die drei Elf-Alben (1971, 1974 und 1975) von keinem geringeren als Roger Glover, bekanntermaßen Bassist bei Deep Purple (und später auch Rainbow). Dadurch, dass Roger Glover veranlasste, dass Elf im Vorprogramm von Deep Purple mittourten, lernte Ronnie den Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore kennen.
Rainbow
Der exzentrische Saitenhexer fühlte sich zunehmend unwohl bei Deep Purple und deren immer bluesiger werdende Richtung. Da sich seine Purple-Kollegen weigerten, die beiden Songs "Black Sheep of the family" und "16th Century Greensleeves" aufzunehmen, beschloss Blackmore das ganze als Soloprojekt aufzuziehen. Dafür schnappte er sich kurzerhand die Band Elf und aus der ursprünglichen geplanten EP wurde ein ganzes Album: "Ritchie Blackmore's Rainbow". Dabei beschreiben sowohl Dio als auch Blackmore ihre Zusammenarbeit als beinahe magisch. Der Name dieses gemeinsamen Projekts leitet sich übrigens von der Lokalität "Rainbow Bar+Grill" ab, in welchem die Musiker während der Aufnahme-Session oft verkehrten.
Blackmore ging zunächst zu Deep Purple zurück um "Stormbringer" einzuzimmern, während Ronnie mit Elf "Trying to burn the sun" veröffentlichte. Doch schon kurz nach "Stormbringer" schmiss Blackmore das Handtuch und beschloss sein Soloprojekt mit Dio als richtige Band aufzuziehen. Der Bandname wurde in "Rainbow" abgeschliffen und Dio war der einzige Musiker der neben Blackmore aus dem Line-up des ersten Albums Teil der Band war. Mit Tony Carey (Keys), Über-Drummer Cozy Powell und Bassist Jimmy Bain wurde in den Münchener Maryland-Studios das legendäre "Rising" Album aufgenommen und es ging erstmals auf Tour. Im Vorprogramm dabei die außerhalb Australiens quasi total unbekannte Band AC/DC.
"Rising" erwies sich in Europa als durchschlagender Erfolg, ebenso wie die Live-Scheiblette "On Stage" und der Nachfolger "Long liv Rock n Roll". Doch das Verhältnis zwischen Blackmore und Dio bröckelte zusehends aufgrund musikalischer Differenzen. Dies führte schließlich dazu, dass Blackmore während den Aufnahmesessions zum Album "Down to Earth" mit Ausnahme von Cozy Powell erneut das Bandkarussell rotieren ließ. Dio zur Rainbow-Phase: "Auf die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit bin ich bis heute stolz. Nachdem ich Rainbow verlassen hatte, gingen sie ja stärker in die populäre Richtung und hatten mit Songs professioneller Songschreiber, wie zum Beispiel Russ Ballard, große Erfolge. Aber es hörte sich für mich nach Gruppen wie Foreigner an. Keine Frage, das war großartig gemacht. Nur hatte es nichts mehr mit den Rainbow zu tun, die Ritchie und ich geschaffen haben."
Black Sabbath - Part I
Ende der Siebziger begegneten sich zwei Musiker, die in einer vergleichbaren Situation waren. Auf der einen Seite, Ronnie James Dio, der gerade Rainbow verlassen hatte bzw. gegangen wurde; auf der anderen Seite Tony Iommi, dessen Band Black Sabbath im Drogensumpf verschwand. Beide Musiker trafen sich und merkten, dass sie auf einer Wellenlänge sowohl menschlich als auch kompositorisch lagen. Im Ursprung ihrer Zusammenarbeit, so Dio auf dem Bonus-Interview des "Holy Diver" Rereleases, wollten beide zunächst eine neue Band gründen. Als jedoch Sabbath-Drummer Bill Ward hinzugezogen wurde, und wenige Monate später Sabbath-Basser Geezer Butler auf der Bildfläche erschien (der Bass-Ersatz Geoff Nicholls wurde kurzerhand zum Keyboarder degradiert) war klar wohin die Reise ging.
Kurzerhand wurde "Heaven and Hell" eingezimmert, ein Meilenstein nicht nur Sabbath's History, sondern auch im gesamten Metal Bereich. Die Band klang wuchtiger, epischer und düsterer als jemals zuvor und Dio zeigte sein ganzes Können. Dio erwies sich für Sabbath als perfekter Frontshouter, der nicht nur den alten Sabbath Klassikern neues Leben einhauchte, sondern auch die Teufelshörner als Erkennungsmerkmal des Metal einführte. Bill Ward verließ kurz nach Beginn der Tour und Iommi holte Drum-Ass Vinny Appice hinzu: Die klassische Besetzung der Dio-Sabbath-Ära. "Mob rules" folgte, dass zwar nicht ganz an "Heaven and Hell" heranreichte, aber auch mehrere Klassiker enthält. Während der "Mob rules" Tour wurden auch Aufnahmen für das Live-Album "Live Evil" mitgeschnitten, doch hinter der Bühne kriselte es bereits.
Für das Ende jener Ära hat jeder der Beteiligten seine eigene Version - die Geschichte, Dio habe sich Nachts ins Aufnahmestudio geschlichen um seinen Gesang bei "Live Evil" zu verbessern, wurde mittlerweile aber von allen dementiert. Tony Iommi: "Am Anfang machte Ronnie alles, was wir ihm sgten. Aber bei der zweiten Scheibe akzeptierte er viele Dinge einfach nicht mehr und versuchte dem Toningenieur seine Vorstellungeneines Sabbath-Sounds aufzuzwingen." Dio schien es wiederum zu ärgern, nur als austauschbarer Gastsänger namhafter Gitarristen angesehen zu werden: "Es wurde dringend Zeit mein eigenes Ding durchzuziehen, statt immer nur Ideen anderer umszusetzen und dem Image einer bereits existierenden Band zu entsprechen." Heute sieht er das ganze nüchterner: "Die anderen Mitglieder wollten eine Veränderung. Und ich hatte den Eindruck, der gewünschte Wechsel bezog sich vor allem auf mich."
Dio - Part I - Stand up and shout
Auch wenn der Meister immer wieder von Bandarbeit spricht - und eine aufeinander abgespielte Band, was wohl jeder Musiker bestätigen wird, ihre Stärken bündeln kann - so zeigte der neue Bandname "Dio" doch wer das Sagen hatte. Sein Rhytmusgespann fand er in Ex-Rainbow-Basser Jimmy Bain sowie Vinny Appice, der mit ihm Black Sabbath verlassen hatte. Mit Vivian Campell fand er auch ein überzeugendes, junges Gitarrentalent, dass in der Lage war es live mit Sabbath- und Rainbow-Stücken aufzunehmen, und dennoch einen eigenen Stil zu haben. Nur wenige Monate nach dem Ausstieg von Black Sabbath wurde 1983 "Holy diver" veröffentlicht - und schlug ein wie eine Bombe. 9 Heavy Metal Tracks par Exellence, gewürzt mit ordentlich Sabbath- und Rainbow-Einschlägen, zelebrierte der Meister auf seinem Debütwerk. Auch auf Tour konnte die neue Mannschaft überzeugen, zumal der Meister neben "Holy diver" ja bereits ordentlich Klassiker in der Hinterhand hatte.
"The last in line" folgte und erwies sich dem Debüt ebenbürtig, für manche gar noch besser. Dio feierte mit "We rock" und "The last in line" Singleerfolge. "Sacred Heart" - Album Nr. 3 - konnte nicht mehr ganz so stark überzeugen, tat dem Erfolg aber keinen Abbruch. Jedoch sollte dieses erste Dio-Line-up auseinanderbrechen, da Vivian Campbell zunehmend die Lust an einer Band verlor, die sich ausschließlich auf Heavy Metal und Hard Rock spezialisiert hatte. Campbell stieg aus und war in den Folgejahren in ebenso vielen Bands wie Genres gelandet. Die Platte "Intermission", ein Mini-Album aus Liveaufnahmen und neuen Songs, wurde veröffentlicht und markiert den Übergang zum neuen Gitarrist Craig Goldy.
"Dream Evil" hieß das Ergebnis und konnte im Vergleich zu "Sacred Heart" und "Intermission" wieder richtig punkten. Dio weiß, dass dieses Album nicht den Status von "Holy diver" oder "The last in line" innehat, nimmt aber immer wieder gerne Stücke dieses Albums in sein Liveprogramm auf. Nach der Tour zerfiel dieses Line-up jedoch und bis heute hat Dio mit einer ständig wechselnden Mannschaft zu kämpfen. Kein Wunder, dass "Lock up the wolves" zwar einige Highlights hat, aber eher zu den Enttäuschung im Back-Katalog des Sängers zählt. Doch nach 5 Alben und knappen 10 Jahren lockte erneut ein neues Engagement. Auf der "Lock up the wolves" Tour begegneten sich Geezer Butler und Dio und beide hatten nichts gegen eine Rückkehr zu Sabbath. Tony Iommi, der in diesem Jahrzehnt ein gutes Dutzend Musiker bei Black Sabbath verschlissen hatte, machte kurzen Prozess mit seinen aktuellen Besetzung und nachdem auch Cozy Powell ging kam das "Mob rules" Line-up zurück: Appice/Butler/Iommi/Dio.
Black Sabbath - Part II - Die Rückkehr
1990 folgte zunächst eine Tournee, das angekündigte, neue Album dauerte bis 1992. Doch trotz hoher Erwartungen liefen die Absatzzahlen von "Dehumanizer" schleppend. Zwar waren die Zahlen nicht katastrophal und in Europa konnte man sogar große Hallen füllen, aber der ganz große Erfolg blieb aus. Dio dzu: "Ich finde bis heute, dass 'Dehumanizer' ein großartiges Album ist. Nur wurde es in den USA leider viel zu lange übersehen. Zum Beisiel ging jeder in den Staaten davon aus, es müsste sich bei dieser Scheibe um 'Heaven and Hell 2' handeln. Daher hofften viele auf eine Wiederholung dieser Art von Musikmit Fantasy-Thematik und Eingängigkeit - also all das, was Sabbath zu jener Zeit repräsentierten. Doch wir haben uns damals bewusst dagegen entschieden. Wir wollten uns nicht selbst kopieren." Und so endete das Kapitel unspektakulär nach kurzer Zeit.
Dio - Part II
Der zweite Versuch von Sabbath und Dio war gescheitert. Während Iommi erneut Tony Martin engagierte, kam es schließlich für Sabbath zur Wiedervereinigung im Original-Line-up. Dio unterdessen stellte unterdessen erneut seine eigene Truppe auf, zunächst mit Sabbath-Kollege Vinny Appice an den Drums und Tracy G. an der Gitarre. "Strange Highways" (1993) und "Angry Machines" (1996) spaltete die Dio Anhänger jedoch. Zwar kann man konstatieren, dass hier eine Band am Werk war, die versuchte, nicht einfach ihre alten Erfolge zu kopieren, aber auf der anderen Seite sich oftmals doch ein wenig zu weit von ihren Trademarks entfernte. Ohne Frage fanden sich brauchbare Stücke auf diesen Alben, doch mit Dio verbanden die Leute eben einen anderen Sound. Problematisch war auch, dass Tracy G. massiv seine eigene Note bei der Live-Darbietung der Klassiker einbrachte - gut nachzuhören auf dem Doppel-Live-Album "Dio's Inferno: The last in live". Dio dazu: "Betrüblich dabei war, dass Tracy sich nicht an die usprünglichen Soli hielt. Tracy kam nicht nahe genug an die bekannten Gitarrenparts heran, und bei 'Mistreated' und 'Catch the Rainbow' nicht im geringstn. Sicher ist Ritchie der Meister, und es schwierig sich in seine Art des Spielens hineinzudenken. Aber man hätte zumindest versuchen können, heranzukommen. Doch Tracy hat sich darum überhaupt nicht gekümmert."
Der nächste Schritt war daher nur logisch. Tracy G wurde aus der Band geworfen, dafür kamen mit Jimmy Bain, Simon Wright und Craig Goldy alte Bekannte zurück. Nachdem "Dehumanzier", "Strange Highways" und "Angry machines" neue Wege beschritt, mutet "Magica" gerade zu klassisch an. Dio dazu: "Es ist wichtig, Tiefen zu erleben, um wieder zu Höhepunkten zu gelangen. Und das ist geschehen: Wir haben uns auf die Suche begeben und herausgefunden, dass der frühere Weg von Dio der bessere war."
"Magica" stellte den Dio Sound früherer Jahre wieder her, inklusive Querverweise auf die Zeit mit Black Sabbath und Rainbow. Zwar fehlt dem Album ein absoluter Überhit wie "Heaven and Hell", "Holy diver" oder "The last in line", dennoch das wohl in sich stimmigste Dio Album seit langem. Die Publikumresonanz gab Dio recht, der eigentlich schon einen zweiten Teil der Konzept Story vorbereitete, aber erneut am Mitgliederwechsel scheiterte. So verließ Goldy erneut die Band, dafür kam der jetzige Whitesnake-Klampfer Doug Aldrige und das in sich geschlossene "Killing the dragon" entstand. Ebenso wie der Nachfolger "Master of the moon" kann man konstatiern: Ordentlich, aber Klassiker in spe gehen anders. Als nächstes folgte daher der Sprung in die Zeitmaschine und neben den Rereleases der alten Alben, der DVD "We rock" (2 Auftritte aus den Achtzigern) folgte das "Holy diver live" Projekt: Auf Tour präsentierte Dio sein geliebtes Debütwerk erstmals vollständig, paralell dazu erschien eine Live-CD und eine Live-DVD. Doch dies war nur ein Vorbote, denn alte Bekannte sollten erneut in Dio's Leben zurückkommen.
Heaven and Hell - Die Rückkehr der Finsternis
Was wohl kaum einer für möglich gehalten hatte, trat schließlich doch ein. Black Sabbath sollten unter ihrem zweiten bzw. dritten Line-up erneut auferstehen. Wenn auch dieses Mal nicht unter dem geschichtsträchtigen Bandnamen, aber der Reihe nach. Nachdem die Dio/Sabbath Kollaboration nach der "Dehumanizer" Tour ein zweites mal endete, wagte Tony Iommi einen erneuten Anlauf mit Tony Martin als Sänger. Trotz des anständigen Albums "Cross purposes", blieb der Erfolg aus und so kam was in den Augen von Sabbath Fans nun mal kommen musste: Das Original Line up mit Tony Iommi, Geezer Butler, Bill Ward und Ozzy Osbourne. Es folgten Tourneen, v.a. im Rahmen von Ozzy Osbourne's Ozzfest in den USA. Auch ein Reunion-Livealbum mit zwei Titeln gab es. Aber ansonsten war nicht viel. Ozzy veröffentlichte weiterhin Soloalben und wurde durch seine fragwürdige Reality Show einem neuen Publikum bekannt, während Iommi und Butler ebenfalls unter eigenem Banner ihre Musik unters Volk brachten.
Der Weg, der schließlich zum Line-up Dio/Butler/Iommi/Appice führte, geschah laut Ronnie schrittweise und unspektakulär: "Am Anfang stand die Idee zum Album 'The Dio Years'. Es bestand die Absicht, nicht nur die alten Studiosongs zusammenzustellen, sondern die CD auch für unsere alten Fans zu etwas Besonderem zu machen. Als wir (Anm. gemeint ist Iommi) uns nach der Dio Show in Birmingham trafen, sprachen wir über die Möglichkeit neue Songs zu schreiben und entschlieden uns schließlich dafür. Dann waren drei Tracks fertig und wir dachten uns, dass es ganz nett wäre, auch auf Tour zu gehen." Friede, Freude, Eierkuchen? Vielleicht, aber auch andere Überlegungen dürften dazu beigetragen haben, schließlich war weder im Hause Sabbath viel los, noch wurden die letzten Dio Alben euphorisch abgefeiert. Die Idee zum wichtigsten Sabbath Kapitel neben dem Original-Line-up lag nicht weit.
Zwar wurde die Compilation "The Dio Years" noch unter dem legendären Bandnamen veröffentlicht, die Live-Wiederaufstehung fand allerdings unter dem Namen "Heaven and Hell" statt. Ob es sich nun um rechtliche Gründe handelt oder ob man zeigen wollte, dass eben nur eine bestimmte Phase der Bandgeschichte abgefeiert werden soll, sollte dem Fan herzlich Wurscht sein. Fakt ist, dass es sich hier um die Band handelt, die "Mob rules", "Dehumanizer" und (zu Drei/Viertel) das Überwerk "Heaven and Hell" eingespielt hat. Und die höchst erfolgreiche Tour enthielt eben ausschließlich jenes Material ohne auf die erfolgreiche Ozzy Ära oder die etwas krude Nach-Dio-Sabbath-Ära einzugehen.
Sprachen zu Anfang alle Beteiligten von einem kurzfristigen Projekt, so hat sich dies schnell geändert. Neben einer erfolgreichen Welttournee und einer nicht minder erfolgreichen Live-DVD/CD, erschien 2008 das Album "The Devil you know", das man am ehesten als die konsequente Fortführung von "Dehumanizer" bezeichnen können. Das erste Black Sabbath Album seit 13 Jahren kam dann bei Dio- und Sabbath-Fans gleichermaßen an und wurde gar "Album des Monats" im deutschsprachigen Metal Hammer. 2008 bis 2009 wurde das Album auf einer erneuten Tournee weltweit promotet.
Mitte 2009 wurde bei dem Sänger Magenkrebs im Frühstadium diagnostiziert, wobei die Prognosen gut aussahen. Lange Zeit hielt Dio sogar an den Terminen der Winter/Frühjahr Tour der Dio Band fest. Aufgrund aufwendiger Chemo-therapien musste Dio seine Tour absagen, doch er befand sich bereits mit seinen Kollegen von Heaven and Hell im Frühjahr 2010 im Studio um an einem "The Devil you know" Nachfolger zu arbeiten. Dio's Zustand verschlechterte sich jedoch rasant. Der Sänger erlag dem Krebs am 16. Mai 2010.
Musikalischer Stil
In seiner Frühphase ackerte sich Ronnie durch unterschiedliche Stile des Rock n Roll, Hard Rock und Psychelic Rock. Elf ist schlichter, wenn auch effektiver Radio Rock. Rainbow vereint die Stärken seiner Mitstreiter: Das Gitarrenspiel Ritchie Blackmores - heavy, gefühlvoll, progressiv, verspielt, energiegeladen, die Vokal- und Lyrikakrobatik die der Band Mystik verliehen, sowie mit Cozy Powell den ersten Doublebass Drummer und Keyboardern, die zwar keinen Jon Lord ersetzten, dafür aber Ritchie passend mit Klangfarben unterstrichen. Bei Black Sabbath unterstützte Ronnie den düsteren, schweren Sound der Band mit seinen dunkelsten und auch agressivsten Lyriks. Die nach ihm benannte Band führt dann alle Stärken der Vorläuferbands zusammen: Die Wucht Black Sabbaths, die kniffligen Arrangements von Rainbow und über allem natürlich die Stimme und die Texte von Ronnie James Dio.
Discographie
Frühwerke
Lover (EP, 1958)
Dio at Dominos (Live, 1963)
Elf
Elf (1972)
Carolina County Ball (1974)
Trying to burn the sun (1975)
Rainbow
Ritchie Blackmore's Rainbow (1974)
Rising (1976)
On Stage (Live, 1977)
Long live Rock n Roll (1978)
Black Sabbath
Heaven and Hell (1980)
Mob rules (1981)
Live Evil (Live, 1982)
Dehumanzier (1992)
Black Sabbath: The Dio Years (Best of, 2007)
Dio
Holy diver (1983)
The last in line (1984)
Sacred Heart (1985)
Intermission (Live/Studio, 1986)
Dream Evil (1987)
Lock up the wolves (1989)
Strange Highways (1993)
Angry machines (1996)
Dio's Inferno: The last in live (Live, 1997)
Magica (1999)
Killing the dragon (2002)
Evil or divine (Live, 2003)
Master of the Moon (2004)
Heaven and Hell
Live at the Radio City Music Hall (Live, 2008)
The Devil you know (2009)
Empfehlenswerte Alben

Egal welche Webseite oder welches Fachblatt zum Heavy Metal man aufschlägt - von Dio werden einem stets die gleichen 3 Alben zum Einstieg empfohlen. Den Anfang macht Rainbows "Rising". Hier sind einer der größten Rocksänger und einer der größten Rockgitarristen auf ihrem kreativen Zenit - unterstützt von einer starken Band. "Heaven and Hell" widerrum zeigt Black Sabbath so wuchtig, majestätisch und heavy wie davor und danach nie wieder. Und "Holy Diver" vereint alles was man an Dio liebt: Starker Gesang, knackige Riffs, eingängige Songs und meisterhafte Lyrik. Danach sollte man mit den folgenden Alben weitermachen: "The last in line" (Dio), "Dream Evil" (Dio), "The Mob rules" (Black Sabbath), "Long live Rock n Roll" (Rainbow). Wer danach nicht süchtig ist, dem ist auch nicht weiter zu helfen.

Als Live-Sternstunden würde ich Rainbows "On Stage" und Black Sabbaths "Live Evil" empfehlen. Gerade letztere ist sehr interessant, da Dio hier einige Songs aus der Ozzy Ära intoniert und den Stücken so einen ganz eigenen Charakter verleiht.
Die 15-Song-Download-Liste
Diese Liste ist für all diejenigen gedacht, die nicht so sehr an der Anschaffung von Alben interessiert sind und ihre Musik vornnehmlich auf dem Ipod hören - die meiner Meinung nach 15 stärksten Songs von Dio und seinen Mitstreitern in unterschiedlichen Bands (Interpret in Klammern):
Kill the King (Rainbow)
Stargazer (Rainbow)
Man on the Silver Mountain (Rainbow)
Long live Rock n Roll (Rainbow)
Gates of Babylon (Rainbow)
Heaven and Hell (Black Sabbath)
Children of the sea (Black Sabbath)
Die young (Black Sabbath)
The Mob rules (Black Sabbath)
Computer God (Black Sabbath)
Holy diver
Rainbow in the dark
The last in line
Egypt (the chains are on)
All the fools sailed away
Quellen: Zur Erstellung dieses Porträts wurde folgendes Material ausgewertet: Unzählige Interviews und Berichte der Magazine "Heavy", "Rock Hard" und "Metal Hammer" sowie Texten auf der offiziellen Dio Webseite "www.ronniejamesdio.com". Weiterhin das Buch "Sabbath Bloody Sabbath", die Dio History des Magazins "Heavy" sowie die Black Sabbath History des "Metal Hammer". Audiovisuelle Interview-Zitate entstammen den beiden Dio DVDs "Evil or divine" und "We rock" sowie dem Bonus Interview des "Holy diver" Rereleases.
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