- Endless Dark -

  Der W  

Congress-Centrum B, Saarbrücken, 12. April 2009

Mit großem Spektakel verabschiedete sich die meist-umstrittene Band Deutschlands nach einem Vierteljahrhundert Dienst 2005: 120.000 Fans feierten mit den Böhsen Onkelz auf ihrem Abschiedsfestival. Danach war es still um die vier Frankfurter. 2008 kehrten dann zwei Onkelz zurück: Matthias "Gonzo" Röhr, der auf seinem Solodebüt in Santana-Sphären schwebt, traf jedoch nicht den Nerv des Fan-Gros. Das schaffte schon eher Stephan Weidner, nun als Der W unterwegs. "Schneller, höher, Weidner" ist ein amtliches Deutschrock-Album, das hin und wieder aufblitzen ließ für welche Band der Hauptprotganonist tätig war, aber dennoch für sich allein stehen kann.

Für Weidner ganz überraschend schoss die Platte bis auf Platz 2 der deutschen Charts, weswegen knapp ein Jahr später dann auch eine Tour folgte. Und die Nachfrage war groß: Nachdem wir keine Tickets für Mannheim oder Karlsruhe mehr bekamen, entschlossen wir uns, mal wieder eine Fahrt in das Herz des Saarlands zu machen. Das Congress-Centrum erwies sich als Multifunktionshalle, das geschätzten 700 - 1000 Besuchern Platz bot und uns mühelos einen Platz in der ersten Reihe ergattern ließ. Vor dem Hauptact durften dann Pro-Pain ran, die eine ordentliche Leistung boten - vorausgesetzt man mag den Grunz-Trash der Amis.

Als dann die ersten Töne von "Der W zwo drei" erklangen, verwandelte sich das bisher reservierte Publikum in eine Höllengrube. Hunderte Kehlen schmetterten die Texte mit, bangten und pogten was das Zeug hielt. Weidner, angestachelt von dem Hallen-Temperament lief zur Hochform auf, und lieferte mit seiner Band einen Gig erster Sahne ab. Na ja, das heißt fast. Das erste "fast" bezieht sich aus der Weigerung Weidners auch nur einen einzigen Song seiner Ex-Band zu spielen. Sicher, "Hier sind die Onkelz" oder "Onkelz 2000" wären fehlplatziert, aber eine weniger phatetische Perle (z.B. "Ich bin so wie ich bin" oder "Regen" oder "Dunkler Ort" oder "Benutz mich" oder oder oder) hätte das zweite "fast" verhindert: Nämlich das Stefan mangels Songs im Rücken auf B-Seiten und eine deutsche Version von Sinatras "My Way" (ja, wir haben das Wortspiel verstanden) zurückgreifen musste um nicht schon nach knapp einer Stunde aufzuhören.

Trotz allem: Gelungener Einstand und sollte das zwei W Album - sofern Weidner noch mal eins machen will - ebenso stark werden wie "Schneller, höher, Weidner" so dürfte sich Stefan endgültig in seiner neuen Rolle als Solokünstler eingefunden haben.



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