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Alice Cooper & Whitesnake 
Stuttgart, Schleyerhalle/Porsche Arena
Setlist Whitesnake
Best Years
Fool for your lovin'
Can you hear the wind blow
Love ain't no stranger
The deeper the love (Akkustik)
Is this love?
- Guitar Solo Aldrige/Beach
Lay down your love
Fool in love again
Ain't no love in the heart of the city
Gimme all your love
Here I go again
Still of the night
(We wish you well)
Setlist Alice Cooper
Intro (It's hot tonight)
No more Mr Nice Guy
Under my wheels
I'm Eighteen
Woman of mass-destruction
Feed my Frankenstein
In touch with your feminine side
Dirty Diamonds
Vengeance is mine
- Band Solo / Drum Solo
Welcome to my nightmare
Only women bleed
Dead Babies
Ballad of Dwight Fry
I love the dead
School's out
Billion Dollar Babies
Poison

Double-Headliner-Shows sind etwas Feines. Zumindest wenn man beide Künstler mag. In diesem Fall traf das zu: Zum einen spielte Grusel-Onkel Alice Cooper auf, zum anderen David Coverdale und seine weißen Schlangen. Auf den ersten Blick scheinen die Beiden zwar nicht viel gemeinsam zu haben, aber bei näherem Hinsehen erkennt man durchaus Paralellen: Zum einen konzentriert sich bei beiden Bands das Augenmerk auf die beiden Hauptprotagonisten, zum zweiten spielen beide gerne: Alice mit Stock und Peitsche, David mit dem Mikronfonständer und zum Dritten sind beide verdientermaßen Legenden der harten Musik.
50 Lappen für diese Beide sind meiner Meinung nach gerechtfertigt, und so machten wir uns am 29. November auf zum Schleyerhalle/Porsche Area - Komplex, in dem ich schon viele schöne Abende erleben durfte.
Vor den beiden Stargästen durfte dann eine junge Band ihr Glück versuchen: Die Freude, mit den beiden Legenden zu touren, merkte man ihnen an und die Freude sei ihnen gegönnt. Zur Musik: Melodischer Metal-Rock, der durchaus zu gefallen weiß und Ähnlichkeiten mit Bon Jovi oder auch den nachfolgenden Whitesnake aufweist. Zwar reißt die Vorband erwartungsgemäß keine Euphorie aus - zumal die Halle noch sehr spärlich gefüllt und das Licht noch an ist - aber sich das ganze noch mal im Plattenladen anzuhören, ist gewiss nicht verkehrt.
Whitesnake entern dann die Bühne knackig mit "Best Years", bei dem sich David Coverdale erst mal einzusingen scheint. Mit dem nachfolgenden Klassiker "Fool for your lovin'" passen dann aber Sound, Bühnenperformance und Hallentemperatur zusammen. Coverdale offenbart eine erstaunlich kraftvolle Stimme, benutzt den Mikrofonständer als verlängerten Phallus und scheint mächtig Spaß zu haben. "Can you hear the wind blow" vom letzten Output könnte ein zukünftiger Live Klassiker werden, während "Love ain't no stranger" wieder Publikumschöre zieht. Mr. Coverdale überrascht anschließend mit deutschen Ansagen,
fragt einen allzu eifrigen Fans ob es seinem Schwanz gut geht und beweist auch ansonsten sein Entertainer Talent.
An diesem Abend sollten "30 Jahre of the weiße Schlange" (O-Ton Coverdale) zelebriert werden, und der nachfolgende Titel überrascht: "The deeper the love" in akkustischer Form, nur getragen von einem umwerfenen Coverdale und Doug Aldrige an der Accoustic Guitar. Und wenn schon Kuschelstimmung, dann richtig: "Is this love?" folgte im Anschluss. Es folgte nun der weniger erfreuliche Teil: Reb Beach und Doug Aldrige durften ausufernde Soloeinlagen bringen: Zunächst abwechselnd, dann beide zusammen. Und bei aller Liebe: Die beiden verstehen ihr Handwerk, aber mir persönlich geht das Tonleiter-Dideldideldideldi recht schnell auf den Sack. Aber Mr. Coverdale scheint diese Verschnaufspause halt zu brauchen.
Anyway, mit den beiden neuen Titel "Lay down your love" und "Fool in love again" geht die Stimmung wieder nach oben. Und oben sollte sie bleiben, denn jetzt spielt die Band ihre Trümpfe aus. "Ain't no love in the heart of the city" erweist sich dank eines gut aufgelegten Publikums als der Gänsehautmagnet des Abends, ehe zu "Gimme all your love" und natürlich "Here I go again" richtig schön abgegangen werden darf. "Still of the night" ist der ideale Rausschmeißer und lässt noch mal schön die Köpfe rotieren. "We wish you well" läuft im Hintergrund als sich die Band verabschiedet und trotz lautstark geforderter Rufe, keine Zugaben spielt. Schade, denn man hätte ja noch "Don't break my heart again" oder den alten Purple-Gassenhauer "Burn" in der Hinterhand gehabt.
Noch eine Anmerkung: Vielleicht hat jetzt mal der letzte Arsch begriffen, dass das Werfen von Gegenständen in einem Konzert keineswegs lustig ist. Denn der (gefüllte) Wasserbecher "erfrischte" nicht nur uns, sondern landete bei Gitarrist Reb Beach, der daraufhin eine Strophe lang aussetzen musste, um sich eine neue Gitarre umzuspannen.
Alice Cooper hatte es bei dem vorgeheizten Publikum dann natürlich nicht mehr schwer, aber auch wenn vorher 3 Stunden Volksmusik gekommen wäre, hätte der Grusel Onkel den Abend für sich gewinnen können. Ehe der Vorhang fällt, kann man schemenhaft erkennen, wie der Meister einen Doppelgänger seiner Selbst meuchelt. Mit "No more Mr. Nice Guy", "Under my wheels" und "I'm Eighteen" verbrät Alice gleich drei seiner beliebtesten Songs als Einsteiger und treibt damit das Publikum natürlich schnell auf die Siedetemperatur. Der Meister ist wie gewohnt Herr auf der Bühne, erzieht seine Begleitmusiker mit Gerte und Stock und stützt sich selbstironisch auf eine Krücke, während er "I'm Eighteen" performt.
Statt, wie erwartet, eine Bühnenshow zu seinem Konzeptalbum "Along came a spider" zu machen, spielte Alice abwechselnd alte Hits und neueres Material von "Dirty Diamonds" und "Along came a spider". Auch nicht schlecht, zudem Alice seine beiden verführerischen Ladies (seine Frau und seine Tochter) nicht nur tanzen lässt, sondern sie natürlich wieder schön züchtigt. Wie auch Mr. Coverdale braucht der Meister aber eine Verschnaufspause, die aber abwechslungsreicher ausfällt als bei den weißen Schlangen: Quasi Drum'n'Bass wird gespielt, den das Bass Solo wird nicht nur von Schlagwerker Eric Singer sondern auch von beiden Gitarristen an den Drums (!) begleitet. Mal was anderes, während dann Eric Singer, der ja auch bei Kiss in Lohn und Brot steht, sein Talent unter Beweis stellen darf.
Jetzt wird es aber Zeit für eine gute Gruselshow, die stilecht mit "Welcome to my nightmare" eingeleitet wird. Zum Quartett "Only women bleed", "Dead Babies", "Ballad of dwight fry" und natürlich "I love the dead" wird die alte Geschichte erzählt: Alice meuchelt seine Liebste, wird in eine Zwangsjacke gesteckt und zu aller Überraschung nicht geköpft, sondern gehängt. In weißem Frack erscheint dann der Totgeglaubte um mit "School's out" noch einmal Party zu machen. Lautstark wird der Meister zu Zugaben gerufen, die er dann mit "Billion Dollar Babies" und "Poison", das noch größere Resonanz als "School's out" erntet, erfüllt.
Fazit: Es gibt Künstler, die ihren Zenit längst überschritten haben. Alice Cooper und David Coverdale scheinen aber einen zweiten Frühling zu erfahren, denn die beiden alten Herren sind nicht nur live nach wie vor eine Macht, sondern überzeugen auch mit dem neuen Material von "Good to be bad" (Whitesnake) und "Along came a spider" (Alice Cooper). Well done, Boys. Auf der nächsten Tour sind wir gern wieder dabei.


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